Baccarat Geschichte — Vom italienischen Ursprung zum Weltspiel

Die Geschichte des Baccarats: italienische Wurzeln, Verbreitung in Frankreich, Chemin de Fer, Punto Banco und die moderne globale Version.

Baccarat ist heute das meistgespielte Tischspiel in den Casinos der Welt — gemessen am Umsatz. Doch der Weg vom kleinen Kartenspiel der italienischen Renaissance zu den abgedunkelten VIP-Sälen von Macau war lang und führte durch die Salons des französischen Adels, die Hinterzimmer Kubas und die Neonlichter von Las Vegas.

Der Name und seine Bedeutung

Das Wort „Baccara” (die ursprüngliche französische Schreibweise; im Englischen und Deutschen meistens „Baccarat”) leitet sich vom italienischen Wort für „null” ab. Das ist kein Zufall: Im Spiel haben alle Zehnerkarten sowie Bube, Dame und König den Wert null — und eine Hand mit dem Wert null ist die schlechtmöglichste. Der Name betont damit genau das, was Spieler vermeiden wollen: eine Null-Hand, auf Italienisch „baccara”.

Italische Ursprünge im 15. Jahrhundert

Die genaue Entstehungsgeschichte ist nicht vollständig belegt, doch die am häufigsten zitierte Überlieferung führt das Spiel auf das Italien der 1490er Jahre zurück. Dem Spieler und Mythenbildner Felix Falguierein (manchmal auch Falguière geschrieben) wird zugeschrieben, das Spiel um 1490 in Italien entwickelt oder verbreitet zu haben, ursprünglich mit Tarot-Karten. Ob diese Ursprungsgeschichte historisch gesichert ist oder eher einer romantisierten Überlieferung entspricht, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Fest steht: Das Spiel gelangte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von Italien nach Frankreich.

Frankreich: Der Adel entdeckt das Spiel

In Frankreich fand Baccarat im Adel begeisterte Anhänger. Zwei Varianten entwickelten sich: Chemin de Fer („Eisenbahn”), bei dem die Spieler abwechselnd die Bank übernehmen und bei bestimmten Handwerten Entscheidungsfreiheit haben, und Baccarat en Banque (auch „Baccarat à Deux Tableaux”), bei dem das Casino dauerhaft als Bank fungiert. Chemin de Fer wurde besonders in privaten Clubs und unter der Aristokratie populär — ein exklusives Spiel für Eingeweihte, fernab der breiten Öffentlichkeit. Das Spiel war lange Zeit in Frankreich gesetzlich verboten und wurde deshalb in Privatkreisen gespielt, was seinen Nimbus des Verbotenen und Erlesenen noch verstärkte.

Punto Banco: Die neue Welt erfindet das Spiel neu

Die entscheidende Modernisierung des Spiels fand in Südamerika statt. In den 1950er Jahren entwickelte sich in Argentinien und Kuba eine vereinfachte Variante namens Punto Banco — „Punkt” und „Bank”, also Spieler und Dealer. Das wesentliche Merkmal: Alle Ziehentscheidungen sind durch feste Regeln vorgegeben, kein Spieler trifft mehr strategische Entscheidungen. Das Spiel wurde dadurch schneller, zugänglicher und für Casinos einfacher zu betreiben.

1959 brachte der Italo-Amerikaner Tommy Renzoni Punto Banco in die USA, ins Sands Casino in Las Vegas. Die Casinobosse, zunächst skeptisch, richteten diskrete Baccarat-Säle ein — abgegrenzt vom lauten Hauptspielbetrieb, ausgestattet mit höheren Einsatzlimits. Das Spiel etablierte sich schnell als das Spiel der Hocheinsetzer in Las Vegas und wurde schließlich zur Blaupause für Baccarat weltweit.

James Bond und das kulturelle Erbe

Kaum ein Spiel ist so stark mit einem fiktiven Charakter verbunden wie Baccarat mit James Bond. In Ian Flemings Debütroman „Casino Royale” (1953) spielt Bond nicht Poker, sondern Chemin de Fer — gegen den Bösewicht Le Chiffre. Die frühen Bond-Verfilmungen griffen dieses Motiv auf und verankerten Baccarat als das Spiel des weltgewandten Geheimagenten in der Populärkultur. Die Assoziation von Baccarat mit Eleganz, hohen Einsätzen und internationalem Flair ist nicht zuletzt diesem kulturellen Erbe zu verdanken.

Macau: Die Welthauptstadt des Baccarats

Die bedeutendste Entwicklung der jüngeren Geschichte findet nicht in Europa oder Amerika statt, sondern in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau. Seit den 2000er Jahren hat sich Macau zur weltweit umsatzstärksten Glücksspielregion entwickelt — und Baccarat macht dort regelmäßig über 80 % der gesamten Casinoeinnahmen aus. Die Vorliebe für Baccarat unter wohlhabenden chinesischen Spielern ist kulturell tief verwurzelt: Das Spiel gilt als Testfeld für Intuition und Glück, die Einsatzgrößen sind legendär. Macau übertrifft Las Vegas im Casinoumsatz um ein Vielfaches — fast vollständig getragen von Baccarat-Tischen.

Die Geschichte des Baccarats ist damit eine ungewöhnliche: Ein Spiel, das im europäischen Adel begann, in Südamerika vereinfacht wurde, sich in Las Vegas etablierte und schließlich in Asien zur dominierenden Casinokraft wurde — ein echtes Weltspiel mit einer Reise, die noch nicht abgeschlossen ist.


Hilfe bei problematischem Spielverhalten: BZgA-Helpline 0800 1 37 27 00 — kostenlos und anonym.